Hessische Nassauische Allgemeine
Lesung
Das „kleine Bierchen“

 

KASSEL. Die 22 Millionen Biertrinker Deutschlands haben allen Anlaß, sich beschwingt zuzuprosten. Endlich gibt es das ultimative Bilderbuch zum Bier. Drei „Experten“ des Satiremagazins „Titanic“ haben sich der anspruchsvollen Aufgaben gewidmet, unserem Lieblingsgetränk in angemessener künstlerischer Form die ganze ihm gebührende Ehre zu erweisen. Daß es dabei alles andere als „bierernst“ zugeht, dürfte wohl jedem klar sein.
Die Autoren Achim Greser, Heribert Lenz und Hans Zippert waren am Donnerstagabend zu Gast in der gut besuchten „Caricatura“-CaféBar im KulturBahnhof. Schon ihre geistreichen Erläuterungen zum Buch, das sie als „eines der ungewöhnlichsten unserer Zeit“ oder als „Lernorientierung für die Jugend“ bezeichnen, konnte man getrost als Satire auffassen.
„Ein Bier geht um die Welt“, so der Titel des Werks, ist durchaus wörtlich zu verstehen. Der Protagonist ist nämlich ein kleines Bierchen mit durchaus menschlichen Eigenschaften. Es kann laufen und sogar sprechen. Aber seine besonderen Qualitäten liegen darin, die Menschen fröhlich zu stimmen und mitunter die lustigsten Sachen machen zu lassen. Und gerade das wird ihm zum Verhängnis.
Das Kind eines „alten, erfahrenen Ur-Bocks“ und einer „lebenslustigen Obergärigen“ wird in Verbannung geschickt, weil ein Autofahrer nach seinem übermäßigen Genuß verunglückt. So erlebt es rund um den Globus zusammen mit seinem Bewährungshelfer die tollsten und immer sehr feuchten Abenteuer.
Eine knappe Stunde wurden Anekdoten vom Bierchen erzählt und dazu witzige Dias von den Zeichnungen gezeigt. Das war alles sehr spaßig und nett, wurde aber mit der Zeit auch ein bißchen schal. Für echte Bierfans mit Humor ist dieses Buch ein Muß, dem anspruchsvollen Satirefan dürfte es vielleicht zu harmlos sein.

1.6. 1996, HNA, René Schneider

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